16
Okt

500 Euro Gewinn von PayPal

500 Euro Gewinn von PayPal

500 Euro Gewinn von PayPal

500 Euro Gewinn von PayPal – Gedanken über Recht und Moral!

„Herzlichen Glückwunsch! Sie haben 500 Euro gewonnen! Schauen Sie gleich einmal in Ihrem PayPal – Konto nach, der Betrag ist Ihnen schon gutgeschrieben, Sie können also über den Gewinn schon jetzt verfügen.“

Willste? Kriegste Sie haben 500 Euro gewonnen

Diese Nachricht hat das Bezahlsystem PayPal am Freitag, den 07.06.2013 massenhaft an seine Kunden per eMail verschickt. Am Ende unseres Blogs habe ich für Euch die Original-Gewinnmitteilung eingefügt. Wie viele der Kunden nun am Ende solch eine Nachricht bekommen haben, wird von PayPal nicht veröffentlicht. Dies geschieht nicht ohne Grund, denn bei der für jeden Empfänger so erfreulichen Nachricht über einen Geldgewinn, handelt es sich, so wenigsten lt. Auskunft von PayPal, um ein Versehen. Die irrtümlich benachrichtigten PayPal-Kunden hätten gar keinen Gewinn gemacht. In der Tat gäbe es ein Gewinnspiel über 500 Euro, dieses sei aber noch gar nicht ausgewertet und somit stünden auch noch keine Gewinner fest. Wie man sich vorstellen kann, ist die Enttäuschung bei den meisten vermeintlichen „Gewinnern“ jetzt groß. Sie haben zwar alle nicht weniger als vor der Gewinnmitteilung, aber wer die Bücher von Paulo Coelho gelesen hat, weiß, welche psychologischen Effekte in solch einer Situation greifen. Einige, ich vermute mal sogar sehr viele, hatten eben für zumindest ein paar Stunden das Gefühl, um 500 Euro reicher zu sein. Dieses Gefühl führt natürlich zu einer Enttäuschung, wenn sich dann herausstellt, es war alles nur ein versehen.

Nun gibt es in solch einem Fall natürlich immer mehrere Betrachtungsweisen und jeder muss für sich selbst überlegen, welche er davon am höchsten gewichtet, also präferiert.

Zum Einen wäre da der rechtliche Hintergrund und  ich kann mir vorstellen, dass es schon jetzt viele Rechtsanwälte gibt, die sich die Hände reiben und hier ein Geschäft wittern. Sollten wirklich sehr viele die Gewinnmitteilung bekommen haben, so kann man sich locker ausrechnen, welcher Streitwert hier errechnet werden könnte, sollte sich auch nur ein Bruchteil der „Gewinner“ einer Sammelklage anschließen. Auf das Rechtliche komme ich gleich noch zu sprechen, betone aber schon hier, dass es sich hierbei um keinerlei anwaltliche Beratung handelt und daher auch kein Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit meiner Ausführungen besteht.

Zum Anderen ist da aber auch noch der moralische Aspekt und da muss auch jeder „Gewinner“ für sich selbst entscheiden, ob er meint, dass er, ohne wirklich an einem Gewinnspiel teilgenommen zu haben, einen Anspruch auf eben diesen Gewinn von 500 Euro hat. Meine Meinung ist da ganz klar. Auf den ersten Blick könnte man argumentieren, NEIN, jeder und jedes Unternehmen macht mal Fehler und auch der Kunde freut sich, wenn im umgekehrten Fall, kulante Lösungen gefunden werden. Genauer und differenzierter betrachtet ist es aber anders. Immerhin handelt es sich bei PayPal um ein sehr großes Unternehmen, welches mit sehr empfindlichen und sicherheitsbedürftigen Inhalten ihr Kerngeschäft betreibt. Der Gedanke daran, dass PayPal Millionen von Kontodaten und deren kompletten Zugangsdaten verwaltet und in einem Bezahlsystem bündelt, aber auf der anderen Seite nicht in der Lage ist, ein Gewinnspiel korrekt abzuwickeln, lässt Fragen aufkommen, ob die vermeintliche Sicherheit der Geldtransaktionen über PayPal tatsächlich gegeben ist. Da PayPal aber mit genau dieser vermeintlichen „Sicherheit“ seine Geschäfte macht und dabei recht hohe Gewinne generiert, entsteht hier schon ein zu diskutierender Ansatz einer moralischen Verpflichtung.

Rechtlich ist es wohl so, dass generell folgendes gilt: „Ein Unternehmer, der Gewinnzusagen oder vergleichbare Mitteilungen an Verbraucher sendet und durch die Gestaltung dieser Zusendungen den Eindruck erweckt, dass der Verbraucher einen Preis gewonnen hat, hat dem Verbraucher diesen Preis zu leisten.“ Diese Regelung aus dem Jahr 2000 soll Verbraucher vor dubiosen Adresshändlern und anderen Scheinfirmen schützen. Sie könnte aber auch für die PayPal-Mail gelten.

Solche Willenserklärungen können aber lt. § 119 BGB angefochten werden. Wenn diese Anfechtung dem Kunden zeitnah, also am besten am gleichen Tag innerhalb von 24 Stunden, zugestellt wird, dann ist der Irrtum eindeutig erklärt und sämtliche Ansprüche aus dieser Willenserklärung entfallen. Im Falle von PayPal wäre aber vorher rechtlich zu klären, ob es sich bei der Gewinnmitteilung überhaupt um eine Willenserklärung handelt, oder eben, was einige Anwälte in den Raum stellen, um eine Geschäftshandlung. Diese könnte nicht so ohne weiteres angefochten werden. Da aber auch im ersteren Fall, dass BGB klar vorschreibt, dass die Anfechtung zugestellt werden muss, ist es nicht ausreichend, wenn PayPal die Anfechtung per eMail an ihre Kunden verschickt. Auch ich habe noch am gleichen Tag der Gewinnmitteilung eine sogenannte Anfechtungs-Mail von PayPal bekommen, die ich Euch auch hier im Blog gleich noch zeigen werde.

Ihr habt es bestimmt schon gemerkt, welche Meinung ich zumindest zum aktuellen Zeitpunkt vertrete. Rechtlich wird PayPal alles versuchen, um aus dieser Sache ohne finanziellen Schaden herauszukommen. Der immaterielle Schaden könnte für PayPal aber auch zu einem Bumerang werden und die Geschäftsleitung sollte sich überlegen, ob sie nicht aus eigenen Stücken, den vermeintlichen Gewinnern etwas entgegen kommt. Die sehr hohen Gewinne, gerade auch durch die sehr enge Anbindung an Ebay (beide Unternehmen sind übrigens in Dublin direkt auch räumlich nebeneinander!), die PayPal Jahr für Jahr schreibt, eröffnen dem Unternehmen genügend Spielraum, um hier auch marketingtechnisch sauber aus der Angelegenheit herauszukommen. Auch Paypal wird wissen, dass die Kosten für Kundenbindung erheblich niedriger sind, als die, die zur Neukundenakquise anfallen.

Ich würde daher jedem vermeintlichen „500 Euro-Gewinner“ empfehlen, die eMail mit der „Gewinnbenachrichtigung“ aufzubewahren, also gut zu archivieren. Wir werden hier in unserem Blog unter der Rubrik „Geld“ das Thema „500-Euro-Gewinn von PayPal“ immer wieder aufgreifen und die Diskussionen darüber weiter begleiten.

Wir würden uns freuen, wenn recht viele User hier ihre Meinung dazu im Kommentarfeld veröffentlichen würden. Auch und gerade die Empfänger solch einer Gewinnmitteilung sind herzlich eingeladen, hier ihre Meinung zu dokumentieren. Vielleicht hat ja auch der Eine oder Andere schon etwas in die Wege geleitet und schreibt davon in unserem Blog.

Hier nun die versprochene Gewinnmitteilung von PayPal vom 07.06.2013:

Willste? Kriegste Sie haben 500 Euro gewonnen
500 EuroHallo M.

herzlichen Glückwunsch, Sie gehören zu den glücklichen Gewinnern! Schauen Sie gleich mal in Ihrem PayPal-Konto nach, denn dort haben wir Ihnen die 500 Euro gutgeschrieben.

Sie können Ihren Gewinn ab sofort einlösen. Übrigens haben wir noch viele weitere tolle Ideen, die Ihren Sommer noch schöner machen:

Viel Spaß bei Ihrem nächsten Einkauf wünscht

Ihr Team von PayPal

Und hier die Anfechtungserklärung von PayPal vom 07.06.2013:

Ungültige Mitteilung zum PayPal-Gewinnspiel
 
Guten Tag M.

heute haben wir Sie darüber informiert, dass Sie beim Gewinnspiel „Willste? Kriegste!“ gewonnen haben und eine Gutschrift auf Ihrem Konto erfolgt ist.

Leider wurde diese Email aufgrund eines Fehlers und technischen Versehens versandt und ist daher ungültig. Auf ihrem PayPal-Konto wurde kein Geld gutgeschrieben. Wir bedauern diesen Fehler und entschuldigen uns für alle eventuell entstandenen Unannehmlichkeiten.

Das Gewinnspiel läuft noch weitere 9 Wochen. Gewinner dieser Woche und aller folgenden Wochen erhalten eine Gutschrift auf Ihrem PayPal-Konto und werden separat per Email benachrichtigt.

Wir entschuldigen uns nochmals für eventuelle Unannehmlichkeiten und bedanken uns für Ihr Verständnis.

 
Viele Grüße
Ihr Team von PayPal

 

 Wir wünschen Euch alles Gute und eine gute Entscheidung, meist das Richtige zu tun.

Wir halten Euch auf den Laufenden, wie es bei diesem und bei anderen Themen weitergeht.

Schöne Grüße, Euer Matze!

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